Vorwort des Notenbüchels

In der alten Klosterkirche von Rinchnach im Bayerischen Wald erklingt die Waldlermesse.

Hier stieg vor 900 Jahren aus der Wildnis des Waldgebirges auch zum erstenmal der Lobgesang der rodenden Mönche zur Ehre Gottes auf, als St. Gunther dieses Klösterlein gründete , und hier, in den heimeligen Tälern unter den blauen Grenzbergen, ist heute noch jedes Lied des Volkes das Lob einer wundersamen Heimat, Ausdruck der Lebensfreude und Verehrung des Herrgotts und der Muttergottes. In diesem Wald ist Ferdinand Neumaier, der Komponist der Waldlermesse, aus einem alten Bauerngeschlecht im benachbarten Kirchberg geboren und hat das Erbe vieler singfreudiger Generationen übernommen. Aus dem Urquell waldlerischen Singens und Musizierens kamen ihm die Weisen zu. Die Worte stammen von einem nicht minder echten Waldler, von Eugen Hubrich aus Kötzting. Schlicht und einfach ließ er seine Landsleute mit ihrem Herrgott reden.

Frohes Ansingen, betendes Musizieren, schicksalsschwerer Wallfahrersang, andachtsvolles Brauchlied und Erinnerungen an uralten Krippengesang, Dank und Verehrung, aber auch Freude und Jubel, aufströmend bis zur ländlerischen Weise, in allem aber besinnlich und tiefgründig in den Ablauf einer Messe gefaßt, das ist die Waldlermesse. In der Arie zur hl. Wandlung verstummt das Wort und ehrfurchtsvoll und erhebend übernimmt ein Hirtenruf die Würdigung dieses hohen Augenblicks. Aus der Fülle und der Tiefe der Volksmusik kommt dieses Singen und Beten.


In der prächtigen Frührokokokirche von Rinchnach haben sich Volkssängerinnen und Volkssänger des Bayerischen Waldes zusammengetan, um in diesem ehrwürdigen Raum die Waldlermesse, begleitet von Zither, Gitarre, Hackbrett, Harfe, Klarinette und Baß, darzubringen. Sie kamen aus Arrach. Furth i. W.. aus Lindberg und Zwiesel

Wenn man den frommen und arttreuen Menschenschlag in dem herrlich grünen Waldgebirge mit seinen alten Kulturstätten, den Wallfahrtskirchen und Feldkreuzen, aber auch die alten Glashütten und die Holzhauer im weiten Forst vor dem geistigen Auge hat, dann wird die Waldlermesse zum großen Erlebnis. Dann grüßt eine ganze Landschaft mit ihren Menschen beim Klang der Glocken von Rinchnach.
Baumsteftenlenz